Passwortlänge und Entropie
Wie sich die Entropie eines Passworts aus Länge und Zeichenvorrat berechnet – mit Formel, Beispielrechnung, Tabelle und interaktivem Entropie-Rechner.
Was Entropie misst – und was nicht
Entropie beschreibt die Unsicherheit, die ein Angreifer über ein Passwort hat. Sie wird in Bit angegeben: Jedes zusätzliche Bit verdoppelt die Anzahl der Möglichkeiten. Wichtig ist die Voraussetzung: Die Formel gilt nur für Passwörter, die tatsächlich gleichverteilt zufällig erzeugt wurden. Ein selbst ausgedachtes Passwort hat in aller Regel deutlich weniger echte Entropie, als seine Zeichenzahl vermuten lässt, weil Menschen bevorzugte Muster verwenden.
Die Formel
Entropie (Bit) = Länge × log2(Grösse des Zeichenvorrats)
Beispiel: 20 Zeichen aus einem Vorrat von 88 Zeichen ergeben 20 × log2(88) ≈ 20 × 6,46 ≈ 129 Bit. Der Suchraum ist 2129, im Mittel muss ein Angreifer die Hälfte davon durchprobieren.
Beispielrechnung Schritt für Schritt
Angenommen, Sie wählen 12 Zeichen aus Klein- und Grossbuchstaben sowie Ziffern (26 + 26 + 10 = 62 Zeichen):
- log2(62) ≈ 5,95 Bit pro Zeichen.
- 12 × 5,95 ≈ 71,4 Bit Gesamtentropie.
- Suchraum: 271,4 ≈ 3,2 × 1021 Kombinationen.
- Im Mittel nötige Versuche: rund 1,6 × 1021.
- Bei angenommenen 1011 Versuchen pro Sekunde (Offline-Angriff, schnelles Hash-Verfahren) entspricht das etwa 1,6 × 1010 Sekunden – rund 500 Jahre. Bei einem langsamen Verfahren mit 20 000 Versuchen pro Sekunde ist es astronomisch mehr, bei einem Angreifer mit spezialisierter Hardware entsprechend weniger.
Warum wir keine einzelne Crack-Zeit nennen
Jede Zeitangabe hängt an drei Annahmen: dem Hash-Verfahren des Anbieters, der Hardware des Angreifers und der Frage, ob der Angriff online oder offline stattfindet. Wer nur eine Zahl nennt, verschweigt die Annahmen. Deshalb zeigt unser Rechner drei Szenarien nebeneinander.
Interaktiver Rechner
Entropie-Rechner
Berechnet die theoretische Entropie eines zufällig erzeugten Passworts. Für selbst ausgedachte Passwörter gilt die Rechnung nicht.
- Zeichenvorrat
- 88 Zeichen
- Theoretische Entropie
- 103.4 Bit
- Online-Angriff (10 Versuche/Minute)
- 1,23e+24 Tage
- Offline-Angriff, schnelles Hash-Verfahren (1011 Versuche/s)
- 2,05e+12 Tage
- Offline-Angriff, langsames Hash-Verfahren (20 000 Versuche/s)
- 1,02e+19 Tage
Annahmen: gleichverteilt zufällige Zeichenwahl, dem Angreifer sind Länge und Zeichenvorrat bekannt, im Mittel muss die Hälfte des Suchraums durchsucht werden. Die genannten Versuchsraten sind gerundete Annahmen zur Veranschaulichung und keine Messwerte; die tatsächliche Rate hängt von Hardware, Hash-Verfahren und Serverschutz ab.
Referenztabelle
| Zeichenvorrat | 8 Zeichen | 12 Zeichen | 16 Zeichen | 20 Zeichen |
|---|---|---|---|---|
| 26 (nur Kleinbuchstaben) | ≈ 38 Bit | ≈ 56 Bit | ≈ 75 Bit | ≈ 94 Bit |
| 62 (Buchstaben + Ziffern) | ≈ 48 Bit | ≈ 71 Bit | ≈ 95 Bit | ≈ 119 Bit |
| 88 (inkl. Sonderzeichen) | ≈ 52 Bit | ≈ 78 Bit | ≈ 103 Bit | ≈ 129 Bit |
Faustregel für die Einordnung: Unterhalb von etwa 60 Bit ist ein Passwort gegen einen entschlossenen Offline-Angriff nicht dauerhaft geschützt. Ab etwa 80 Bit ist reines Durchprobieren auch offline unrealistisch, solange der Anbieter ein geeignetes Hash-Verfahren einsetzt. Über 100 Bit ist die Passwortstärke praktisch nie mehr das schwächste Glied – dann entscheiden Phishing, Schadsoftware und die Sicherheit des Anbieters.
Länge schlägt Komplexität
Ein Zeichen mehr multipliziert den Suchraum mit der Grösse des Zeichenvorrats. Sonderzeichen zu ergänzen erhöht dagegen nur den Faktor pro Zeichen. Konkret: Von 62 auf 88 Zeichen Zeichenvorrat gewinnen Sie etwa 0,5 Bit pro Zeichen – zwei zusätzliche Zeichen Länge bringen bei 62 Zeichen Vorrat bereits rund 12 Bit. Deshalb ist „länger“ fast immer der bessere Hebel, besonders bei Passwörtern, die Sie sich merken müssen. Wie das mit Wortketten funktioniert, steht unter Passphrasen.
Quellen
- NIST SP 800-63B (Draft 4): Passwords
- BSI – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Sichere Passwörter erstellen
Die Auswahlkriterien für Quellen sind auf der Seite Redaktionelle Richtlinien & Quellen dokumentiert.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur IT-Sicherheit und keine individuelle Sicherheitsberatung. Für konkrete Risiken in Ihrer Organisation ziehen Sie bitte eine fachkundige Prüfung heran.