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    Passphrasen richtig verwenden

    Wie zufällig gewählte Wortketten (Diceware) funktionieren, wie viel Entropie sie liefern und wann sie einem generierten Zufallspasswort vorzuziehen sind.

    Herausgegeben von Chiron Services GmbHVeröffentlicht: Fachlich geprüft:

    Was eine Passphrase ist

    Eine Passphrase besteht aus mehreren zufällig gezogenen Wörtern, zum Beispiel aus einer Wortliste mit 7 776 Einträgen (Diceware-Prinzip, fünf Würfelwürfe pro Wort). Der Vorteil: Sie ist deutlich leichter zu merken als eine Zeichenfolge, kann aber bei genügend Wörtern vergleichbare Entropie erreichen. Der entscheidende Punkt ist die Zufälligkeit: Ein selbst ausgedachter Satz ist keine Passphrase im sicherheitstechnischen Sinn, weil Grammatik und Wortwahl den Suchraum drastisch verkleinern.

    Selbst gewählter Satz ≠ zufällige Passphrase

    „MeinHundBelloIstDerBeste2019“ hat 28 Zeichen, aber nur wenige Bit echte Entropie: Der Satz folgt einem Muster, das Cracking-Tools mit Grammatikmodellen gezielt erzeugen. Die Entropieformel gilt nur für gezogene, nicht für gewählte Wörter.

    Beispielrechnung: wie viele Wörter?

    Bei einer Liste mit 7 776 Wörtern liefert jedes zufällig gezogene Wort log2(7 776) ≈ 12,9 Bit. Der Angreifer darf dabei Wortliste und Aufbau kennen – die Sicherheit steckt allein in der Ziehung.

    Entropie zufällig gezogener Wörter (Liste mit 7 776 Wörtern)
    Anzahl WörterEntropieEinordnung
    3 Wörter≈ 38,8 Bitzu wenig für schützenswerte Konten
    4 Wörter≈ 51,7 Bitgegen Offline-Angriffe grenzwertig
    5 Wörter≈ 64,6 Bitsolide Untergrenze für Master-Passwörter
    6 Wörter≈ 77,5 Bitempfehlenswert für Passwortmanager und Geräteverschlüsselung
    7 Wörter≈ 90,4 Bithoher Schutz, weiterhin merkbar

    Schritt für Schritt zur eigenen Passphrase

    1. Eine veröffentlichte Wortliste wählen (deutschsprachige Diceware-Listen sind frei verfügbar).
    2. Physische Würfel oder einen kryptografischen Zufallsgenerator verwenden – nicht selbst „irgendein“ Wort aussuchen.
    3. Mindestens sechs Wörter ziehen und die Reihenfolge unverändert lassen.
    4. Die Wörter mit einem festen Trennzeichen verbinden, etwa Bindestrich oder Leerzeichen, falls der Dienst das erlaubt.
    5. Die Passphrase einige Tage lang bewusst eintippen, bis sie sitzt; erst dann den Notizzettel vernichten.
    6. Nur dort verwenden, wo Sie sie wirklich auswendig brauchen: Master-Passwort, Geräteanmeldung, Festplattenverschlüsselung.

    Passphrase oder Zufallspasswort?

    Entscheidungshilfe
    SituationEmpfehlungBegründung
    Master-Passwort des PasswortmanagersPassphrase, 6+ Wörtermuss auswendig gekonnt und oft getippt werden
    Anmeldung am Notebook oder SmartphonePassphrasehäufige manuelle Eingabe, teils ohne Zwischenablage
    Normale Online-KontenZufallspasswort, 20 Zeichenwird vom Manager eingefügt, Merkbarkeit irrelevant
    Dienst mit Längenbegrenzung (z. B. max. 16 Zeichen)Zufallspasswort mit vollem Zeichenvorratbei knapper Länge zählt jedes Bit pro Zeichen
    Dienst verbietet LeerzeichenPassphrase mit Bindestrichen oder ZufallspasswortFormatvorgaben des Anbieters prüfen
    • Keine Zitate, Songtexte oder Sprichwörter verwenden – sie stehen in Angreiferlisten.
    • Wörter nicht nachträglich „passend“ austauschen; das zerstört die Zufälligkeit.
    • Passphrasen wie Passwörter behandeln: pro Zweck genau eine, niemals wiederverwenden.

    Für alle Konten, die Sie nicht auswendig brauchen, ist ein zufälliges Passwort aus dem Generator in Kombination mit einem Passwortmanager die praktikablere Lösung.

    Quellen

    Die Auswahlkriterien für Quellen sind auf der Seite Redaktionelle Richtlinien & Quellen dokumentiert.

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    Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur IT-Sicherheit und keine individuelle Sicherheitsberatung. Für konkrete Risiken in Ihrer Organisation ziehen Sie bitte eine fachkundige Prüfung heran.