Brute Force, Wörterbuch- und Credential-Stuffing-Angriffe
Wie Passwortangriffe wirklich ablaufen: Online-Angriff mit Rate Limiting, Offline-Angriff nach einem Datenleck und der Einfluss des Hash-Verfahrens.
Vier Angriffsarten, die man auseinanderhalten muss
| Angriff | Vorgehen | Wirksame Gegenmassnahme |
|---|---|---|
| Brute Force | alle Kombinationen systematisch durchprobieren | Länge und Zufälligkeit des Passworts |
| Wörterbuchangriff | bekannte Passwörter und Regelvarianten testen | zufällig erzeugte statt ausgedachte Passwörter |
| Credential Stuffing | geleakte Kombinationen aus E-Mail und Passwort bei vielen Diensten testen | einzigartiges Passwort pro Dienst, zweiter Faktor |
| Password Spraying | ein häufiges Passwort gegen viele Konten testen | Sperrlisten, MFA, Erkennung auf Serverseite |
Credential Stuffing und Password Spraying sind in der Praxis häufiger als klassisches Brute Force, weil sie billiger sind: Der Angreifer probiert nicht Milliarden Kombinationen, sondern wenige sehr wahrscheinliche.
Online-Angriff: der Server bremst mit
Bei einem Online-Angriff läuft jeder Versuch über die Anmeldemaske des Anbieters. Rate Limiting, Verzögerungen, Sperren nach Fehlversuchen und Bot-Erkennung begrenzen die Anzahl Versuche massiv – realistisch sind Grössenordnungen von einigen Versuchen pro Minute und Konto.
Beispielrechnung
Angenommen, ein Dienst lässt 10 Versuche pro Minute zu. Ein zufälliges 8-stelliges Passwort aus 62 Zeichen hat rund 2,2 × 1014 Kombinationen; im Mittel wären etwa 1,1 × 1014 Versuche nötig. Bei 10 Versuchen pro Minute entspricht das über 20 Millionen Jahren. Online-Angriffe zielen deshalb nicht auf Vollständigkeit, sondern auf die wahrscheinlichsten Kandidaten: die Top-Passwörter und geleakte Kombinationen.
Offline-Angriff: nach dem Datenleck zählt das Hash-Verfahren
Erbeutet ein Angreifer die Passwortdatenbank, entfällt jede Bremse. Er testet Kandidaten lokal gegen die gespeicherten Hashes, mit Grafikkarten oder Spezialhardware und parallel für alle Konten. Wie schnell das geht, hängt entscheidend vom Verfahren des Anbieters ab – ein Faktor, den Sie als Nutzer nicht beeinflussen können.
| Verfahren | Auslegung | Folge für den Angreifer |
|---|---|---|
| Ungesalzener schneller Hash | auf Geschwindigkeit optimiert | sehr viele Versuche pro Sekunde, Rainbow Tables möglich |
| Gesalzener schneller Hash | Salt verhindert vorberechnete Tabellen | weiterhin sehr viele Versuche pro Sekunde |
| PBKDF2 mit hoher Iterationszahl | absichtlich verlangsamt | Versuchsrate sinkt um Grössenordnungen |
| bcrypt / scrypt / Argon2 | rechen- bzw. speicherintensiv ausgelegt | Spezialhardware bringt kaum Vorteil, Angriff wird teuer |
Konsequenz für die Passwortwahl
Weil Sie das Verfahren des Anbieters nicht kennen, sollten Sie stets vom ungünstigen Fall ausgehen: schneller Hash, leistungsfähiger Angreifer. Genau deshalb empfehlen wir Zufallspasswörter ab 15 Zeichen – sie halten auch dieser Annahme stand. Die Zahlenbasis liefert der Rechner unter Passwortlänge und Entropie.
Realistisches Angriffsszenario
Ein Onlineshop wird kompromittiert; die Datenbank enthält E-Mail-Adressen und gesalzene, aber schnell berechenbare Hashes. Der Angreifer knackt zunächst die einfachen Fälle – Wörter, Namen mit Jahreszahl, Top-Listen. Innerhalb kurzer Zeit hat er einen erheblichen Teil der Konten im Klartext, ohne je ein langes Zufallspasswort angegriffen zu haben.
Anschliessend beginnt der eigentlich lohnende Teil: Die Kombinationen werden automatisiert bei E-Mail-Anbietern, Zahlungsdiensten und Shops eingesetzt. Wer dort dasselbe Passwort verwendet, verliert weitere Konten, obwohl diese Dienste selbst nie angegriffen wurden. Wer pro Dienst ein eigenes Passwort nutzt, verliert höchstens den Shop-Zugang – und wer zusätzlich einen zweiten Faktor aktiviert hat, in der Regel nicht einmal den.
- Einzigartiges Zufallspasswort pro Dienst – begrenzt den Schaden auf ein Konto.
- Mindestens 15 Zeichen, damit auch der Offline-Fall unwirtschaftlich bleibt.
- Zweiter Faktor oder Passkey, damit ein bekanntes Passwort allein nichts nützt (siehe 2FA und Passkeys).
- Regelmässige Prüfung auf Duplikate und geleakte Passwörter im Passwortmanager.
Quellen
- NIST SP 800-63B (Draft 4): Passwords
- BSI – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Sichere Passwörter erstellen
- CISA: Secure Our World
Die Auswahlkriterien für Quellen sind auf der Seite Redaktionelle Richtlinien & Quellen dokumentiert.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur IT-Sicherheit und keine individuelle Sicherheitsberatung. Für konkrete Risiken in Ihrer Organisation ziehen Sie bitte eine fachkundige Prüfung heran.