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    Passwort-Richtlinie für Unternehmen

    Wie eine zeitgemässe Passwort-Richtlinie aussieht: Mindestlänge, Sperrlisten, Verzicht auf erzwungene Wechsel, MFA-Pflicht – mit Vorlage und Umsetzungsplan.

    Herausgegeben von Chiron Services GmbHVeröffentlicht: Fachlich geprüft:

    Was sich an den Empfehlungen geändert hat

    Viele bestehende Richtlinien stammen aus einer Zeit, in der erzwungene Passwortwechsel und Zeichenklassenregeln als Stand der Technik galten. Die aktuellen Leitlinien des NIST (SP 800-63B) empfehlen ausdrücklich das Gegenteil: keine periodischen Wechsel ohne Anlass und keine erzwungenen Zeichenklassen, dafür grosszügige Mindest- und Maximallängen sowie den Abgleich mit Sperrlisten bekannter Passwörter. Der Grund ist empirisch: Erzwungene Wechsel führen zu vorhersehbaren Ableitungen wie Passwort1Passwort2.

    Vor der Übernahme prüfen

    Regulatorische Vorgaben Ihrer Branche, Zertifizierungen oder Kundenverträge können strengere oder abweichende Anforderungen enthalten. Diese Vorlage ist ein fachlicher Ausgangspunkt und ersetzt keine Prüfung durch Ihre Compliance- oder Rechtsabteilung.

    Vorlage: Regeln mit Begründung

    Regelwerk für eine zeitgemässe Passwort-Richtlinie
    RegelVorgabeBegründung
    Mindestlänge12 Zeichen für Standardkonten, 16 für privilegierte KontenLänge ist der wirksamste Hebel gegen Durchprobieren
    Maximallängemindestens 64 Zeichen erlaubenPassphrasen und Manager-Passwörter dürfen nicht abgeschnitten werden
    Zeichenklassenkeine Pflichterzeugt vorhersehbare Muster ohne Sicherheitsgewinn
    SperrlisteAbgleich gegen bekannte und geleakte Passwörter bei jeder Festlegungverhindert die real erfolgreichsten Angriffe
    Wechselintervallkein Wechsel ohne Anlass; sofortiger Wechsel bei Verdachtanlasslose Wechsel senken die Qualität
    Wiederverwendungdienstliche Passwörter nie privat verwenden und umgekehrtverhindert Übergriff von privaten Datenlecks
    MFAPflicht für Remote-Zugriff, Administratoren und Cloud-Diensteentwertet gestohlene Passwörter
    Speicherungunternehmensweiter Passwortmanager, keine Listen in Dateien oder Ticketsmacht einzigartige Passwörter praktikabel
    HashingArgon2, scrypt oder bcrypt mit zeitgemässen Parametern, immer gesalzenverteuert Offline-Angriffe nach einem Leck
    KontosperreRate Limiting und Verzögerung statt harter Dauersperreverhindert Denial-of-Service durch gezielte Fehlversuche
    Sicherheitsfragennicht einsetzenAntworten sind oft öffentlich recherchierbar
    OffboardingZugänge am letzten Arbeitstag deaktivieren, geteilte Geheimnisse rotierenverhindert Zugriff nach dem Austritt

    Einführung in sechs Schritten

    1. Bestand aufnehmen: Welche Systeme haben eigene Passwortdatenbanken, welche hängen am zentralen Verzeichnis?
    2. Technische Umsetzbarkeit prüfen: Unterstützen Verzeichnisdienst und Fachanwendungen Längen bis 64 Zeichen und Sperrlisten?
    3. Richtlinie schriftlich verabschieden, Verantwortlichkeiten und Ausnahmen mit Begründung festhalten.
    4. Passwortmanager unternehmensweit ausrollen, inklusive Team-Tresoren für geteilte Zugänge.
    5. MFA gestaffelt einführen: Administratoren und Remote-Zugriff zuerst, danach alle Mitarbeitenden.
    6. Schulung und Wirksamkeitskontrolle: Sperrlisten-Treffer, MFA-Abdeckung und privilegierte Konten regelmässig auswerten.
    • Privilegierte Konten getrennt vom Alltagskonto führen.
    • Dienst- und Maschinenkonten mit langen Zufallsgeheimnissen versehen und automatisiert rotieren.
    • Geteilte Zugänge nur über den Passwortmanager, nie per E-Mail oder Chat.
    • Angriffsmodell und Begründung im Team teilen – Grundlagen dazu unter Brute Force und Credential Stuffing.

    Quellen

    Die Auswahlkriterien für Quellen sind auf der Seite Redaktionelle Richtlinien & Quellen dokumentiert.

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    Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur IT-Sicherheit und keine individuelle Sicherheitsberatung. Für konkrete Risiken in Ihrer Organisation ziehen Sie bitte eine fachkundige Prüfung heran.